Ich hasse Abschiede! – Das kann man ganz klar so sagen. Ich fürchte sie und ich bekomme davon Bauchschmerzen, fühle mich unwohl, reagiere dann meist zickig und völlig überzogen.

Das war früher nicht so schlimm. Klar, ein wenig Sehnsucht, nach tollen Treffen, beim Abschied von Eltern, Familie und Freunden für einige Tage oder Wochen, war immer dabei. Nach dem Abitur Abschied nehmen, vom ersten festen Freund und der Familie, das war schwer, aber es wartete der große Traum vom tollen Auslandsjahr.

Abschiedsschmerz, also so Richtigen, kenne ich erst seit der Trennung vom Vater von K1 und K2. Genauer, seit dem ersten Wochenende, dass die Zwei allein bei Papa verbrachten und ich allein in unserer 2-Zimmer-Wohnung zurück blieb. Ich fühlte mich furchtbar verloren, habe erstmal eine Runde geheult, es dann mit putzen und lauter Musik probiert, ging dann über zu einer Fressorgie und war froh, dass mich eine Freundin nach 3 Stunden mit ihrem erlösenden Anruf aus meiner Einsamkeit befreite. Natürlich wusste ich, dass es den Kindern gut geht, ich sie in weniger als 48 Stunden wiedersehen würde und ich wohl diese neu gewonnene Freizeit einfach hätte genießen können. Aber da waren eben auch die Gedanken daran, dass nun ein völlig neuer Lebensabschnitt begonnen hatte, einer in dem ich von Zeit zu Zeit auf meine geliebten Kinder verzichten müsste –  länger als eine Nacht bei Freunden oder den Großeltern – und sie eben umgekehrt auch. Ein Leben in dem Abschiede zur Normalität werden würden. 

Seither hat sich viel geändert, die Kinder sind größer geworden, die Phasen in denen wir uns nicht sehen länger. Ich habe den Lieblingsmann an meiner Seite und unsere Familie ist auch mit K3 und K4 noch weiter gewachsen. Inzwischen leben wir als Patchworkfamilie im Wechselmodell und jeden Freitag nehmen hier Familienmitglieder, für eine Woche, Abschied voneinander. Mein Schmerz und meine Angst vor diesen Abschieden ist nicht geringer geworden, im Gegenteil. Ich hänge mit meinen Gedanken oft daran, was das mit den Kindern macht, sowohl den beiden Großen als auch den Geschwistern, die „zurück bleiben“!? Ich weiss, dass jedes meiner Kinder ganz unterschiedlich mit seinem Abschiedsschmerz und dem Heimweh nach Mama oder eben Papa umgeht. K1 zieht sich zurück, reagiert auf kleinste Reibungen extrem und distanziert sich je näher der Freitagnachmittag rückt; K2 dreht auf und bricht den ersten Abend nach dem Abschied wegen Kleinigkeiten sofort in Tränen aus. K3 hat sich sehr schnell feste Rituale für den Tag des Abschiedes gesucht – eine zeitlang mussten wir dann immer beim goldenen M einen Burger speisen… Und ich? Eine Freundin meinte mal ganz unbedarft, wie gut ich es doch hätte, alle zwei Wochen nur zwei Kinder betreuen zu müssen und mich in der Zeit vom Großfamilienalltag entspannen zu können. Das hat gesessen, machte mich traurig und ja, auch wütend. Jeder der Kinder hat und weiß, wie er/sie sich fühlt, wenn man die Liebsten mal für ein paar Tage zu den Großeltern oder zur Klassenfahrt verabschiedet, weiß auch wie sich das anfühlt und wie sehr man den Tag herbeisehnt, an dem man sie wieder in die Arme schließt. Klar nutze ich die Tage mit der „halben Besetzung“ auch mal um Energie zu tanken und Dinge zu erledigen, die liegen bleiben, aber viel lieber würde ich alle meine Kinder Vollzeit bei mir haben wollen.

Ich weiß, das hier, so wie es ist, ist unser Alltag. Die Kinder haben einen Vater der sie liebt, sich kümmert, sie ebenso vermisst und der immer präsent war. Dafür bin ich dankbar und mir ist bewusst, wieviele Alleinerziehende Mütter und Väter dieses Elternteil schmerzlich vermissen, wieviele Kinder eben auch Vater oder Mutter, nach der Trennung der Eltern selten oder gar nicht mehr sehen. Und trotzdem bleibt der Schmerz. Trotzdem schiele ich nicht selten zu befreundeten Familien hinüber, wo der längste Abschied der für eine 5-tägige Kitafahrt war.

An Freitagen wie heute, da kehre ich, nachdem ich den Erstgeborenen und den Herbstjungen zum Papa gebracht habe, heim zum Mann und den zwei Kleinen und bin ziemlich launisch, mürrisch und sicher auch ungerecht. Ich versuche das zu verbergen und dann kommt K3 mit seinen sensiblen Antennen und einem schelmischen Lächeln um die Ecke, nimmt mich in den Arm und ich weiß, wir alle hier wuppen das gemeinsam und freuen uns auf das Wiedersehen in einer Woche!

 

 

 

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